Über mich

In meinem Blog möchte ich über meine Reisen berichten von ungewöhnlichen Erlebnissen, Begegnungen mit anderen Menschen hier und anderswo

Agadir und noch mehr Süden


Am nächsten morgen um 07:00 Uhr fühlte ich mich gut erholt. Ich hatte geschlafen wie ein Stein. Mein Zimmer hatte 12€ gekostet und es hatte alles gepasst. Ich nutzte die Dusche noch einmal und packte meine Sachen in den Koffer und traf mich, kurz vor 08:00 Uhr mit Simo vor dem Eingang.

Frühstück gab es in dem Hotel nicht. Aber da wir sehr zentral wohnten gab es gleich in der Nachbarschaft ein freundliches Café wo schon Leute draußen saßen und Kaffee tranken. Wir bestellten Kaffee, ich ohne Milch und Zucker und Simo alles mit. Dazu aßen wir ein Croissant. Das sollte für diese Uhrzeit reichen.
Nach dem Frühstück spazierten wir durch Agadir. Es war ein bisschen diesig und die Sonne versteckte sich hinter grauem Dunst. Aber die Stadt lebte, genauso lebendig wie am Abend zuvor. Es herrschte in allen Straßen geschäftiges Treiben. Die Luft war erfüllt von einem besonderen Duft, dem Duft Marokko's. Am Strand machten schon viele Leute Sport, Kinder spielten, Mannschaften trainierten Fußball. Die Stadt wirkte hier sehr gepflegt, fast ein bisschen wie eine Puppenhauskulisse.







Meine Füße wollten bei diesem Anblick unbedingt ins Meer. Ich wickelte meine Hose hoch und nichts konnte mich halten - Herrlich!!! Das Wasser war erfrischend aber nicht kalt.
Die Sonne machte sich immer noch rar und wir beschlossen noch am Vormittag die Stadt zu verlassen, was sich als tolle Idee herausstellen sollte.
Unser Weg führte uns aus der Stadt heraus und wir passierten goldgelbe Felder mit den wunderschönen Arganbäumen. An jeder Ecke hatte ich den Drang auszusteigen und ein bisschen zu bleiben. Kleinere Dörfer und Städte säumten die Straße zu unserm Ziel dem Paradise Valley.

Auf dem Weg dahin deckten wir uns mit Wasser und Obst ein. Ein Obstverkäufer an der Straße hatte wunderschönes Obst und ich kaufte ein paar Orangen und er schenkte mir noch Bananen dazu. Das Lächeln in meinem Gesicht wollte nicht enden. Unser Ziel, eine Schlucht, wunderbar gelegen mit einer wunderschönen Wanderung, ganz gratis noch dazu. Kein TUI-Bus aber viele Marokkaner. Es war Samstag, der Himmel war inzwischen blau, und die Temperatur lockte zum Baden oder einfach nur zum Draußen sein.





















Wir erwanderten die ganze Schlucht und verweilten an den schönsten Stellen, aßen unser Obst und diskutierten lange über die Frage, ob man Orangen mit dem Messer schälen muss oder nicht. Ich habe meine Orange tadellos mit meinen Fingern geschält, Simo seine mit einem geliehenen Messer. Schließlich stellten wir fest, dass beide Methoden gleich gut funktionierten. 

Der Gedanke, dass solche Fragen im Moment meine größten Sorgen waren, machte mich glücklich. Wie es wohl wäre einfach nur im Jetzt zu leben und Probleme dann zu lösen, wenn sie da waren und nicht vorher und nachher darüber nachzudenken und sich das Leben schwer zu machen. Mit einer nie gekannten Leichtigkeit im Herzen schmunzelte ich über unsere kleine Diskussion. Marokko tat mir gut. Ich wollte nicht an morgen und nicht an übermorgen denken.
























Hier hätte ich bleiben können. Das smaragdgrüne Wasser, die schönen Plätze zum Verweilen. Aber unser Weg führte uns wieder in Richtung Agadir, vorbei an meinen geliebten Bäumen. Und diesmal hielt mich nichts mehr im Auto. Bauern mit Eselfuhrwerken benutzen die Straße genauso selbstverständlich wie Autos, Fahrräder oder Fußgänger. Die kleinen Argannüsse sahen von weitem aus wie Mirabellen. Die Bäume dazu in sattem dunkelgrün eine echte Augenweide.







Ich wünschte mir jede Minute mehr Zeit zu haben. Zu Fuß durch diese schöne Gegend, das wäre noch ein neues Abenteuer.....Wir werden sehen! Sitzen, schauen, genießen, gehen entdecken und staunen. Ich staunte jedenfalls nicht schlecht als wir zurück in Agadir erneut Halt auf dem Hausberg machten.

Dieses total entspannte Kamel, legte sich oben auf dem Berg einfach inmitten der Leute auf die Straße und machte Pause. Das Kamel hatte mich verstanden. Keine Sorgen......... leben im hier und jetzt!






Wir betrachteten Agadir von oben. Auch bei Tag ein tolles Spektakel.





Vom Hunger getrieben, stürzten wir uns ins Gewühl der Großstadt und aßen auf einem großen Platz, auf Holzkohle gegrillte Sardinen.
Gut, für europäische Verhältnisse war das ganze ein wenig schmuddelig?  Doch der Platz war voller Menschen und es duftete verlockend nach gegrilltem Fisch und es war klar, dass das Essen hier einfach gut sein musste.

Die Sache war deshalb so interessant und ich muss das an der Stelle unbedingt erwähnen, weil Simo niemals einfach so irgendwo hingegangen wäre zum Essen, sondern erst genau das Angebot prüfte; gewissenhaft prüfte! Oft dauerte das sogar länger als das Essen, aber es vermittelte sehr viele Kontakte und interessante Gespräche. Manchmal nette und manchmal weniger nette. Marokkaner sprechen ganz anders miteinander als wir es tun. Auch für kleine Fragen wird ein richtiges Gespräch geführt. Über Gott und die Welt und wenn es nett war und der Gesprächspartner hilfbereit endete es stets mit Danke und Gott segne dich. Eine schöne Art. Selbstverständlich wurde auch tacheles geredet. Das konnte man dann auch ohne Sprachkenntnisse deutlich verstehen!




























Diese besondere Art des Umgangs miteinander, so viel entstresster als bei uns, hat mir gut gefallen und ich mochte es, diese kleinen Unterhaltungen zu beobachten und zu hören, auch wenn ich wenig verstand.

Nachdem wir uns also endlich für unsere Fischstation entschieden hatten, setzte man uns einen Tisch. Es gab hier Biertischgarnituren ohne Firlefanz. Auf den Tisch kam ein frisches Papier, wie ein großes Platzset, auf das man auch die Abfälle legte.Ich aß meinen Fisch komplett mit den Fingern. Es war ein Erlebnis. Zuerst die Haut enfernen und beim 3. Fisch auf einen Rutsch die Gräten! Jippi!! Der Fisch war so lecker, dass mir hier beim Schreiben das Wasser im Mund zusammen läuft. Es gab Brot und scharfe Sauce, Oliven und Salat, dazu tranken wir Wasser und Cola.

6 Fische - 1€





So gestärkt, kehrten wir Agadir den Rücken. Weiter in den Süden war unsere Devise. Unser Ziel: Legzira, Sidi Ifni.

Die Fahrt dahin dauerte länger als gedacht, es zog und zog sich - aber als wir ankamen gab es nur noch ein einziges und ganz langes WOW!! Hier, am Löwenfelsen sollten sich unsere Wege dann auch zum ersten Mal trennen.... aber dazu mehr im nächsten Bericht.




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