Über mich

In meinem Blog möchte ich über meine Reisen berichten von ungewöhnlichen Erlebnissen, Begegnungen mit anderen Menschen hier und anderswo

Marokko - ab in den Süden

Casablanca die weiße Stadt, berühmt durch den gleichnamigen Filmklassiker in dessen Originaltrailer die Zeilen: "If you're looking for adventure you will find it in Casablanca" vorkommen, hat mich wirklich geflasht.
 
Heute würde ich dich verlassen. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge machte ich mich auf  in Richtung Agadir. Es war schon relativ spät am Nachmittag aber für marokkanische Verhältnisse würde der Tag noch lang sein. Die Entfernung zu Agadir beträgt ungefähr 500 km und am Abend könnten wir Agadir erreichen. Sollte da ein Problem sein? Nur weil wir noch kein Hotel gebucht hatten? Schließlich befand ich mich mitten in einem Abenteuer, wer braucht da einen Plan?

Aus dem Auto heraus fotografierte ich immer wieder die Autobahnschilder und war begeistert, wenn ich halbwegs klare Bilder auf meinem Handy hatte. Die arabische Schrift auf den Schildern sieht schon sehr geheimnisvoll aus und ich war doch ganz froh, dass es eine Übersetzung gab.


 










Im Auto hörten wir abwechselnd deutsche, englische, spanische und  natürlich arabische Musik. Ich liebe Musik und entsprechend sang ich die Lieder, die ich kannte und auch Simo hatte Spaß am Singen. So fuhren wir gen Süden in den Abend und das Abenteuer faszinierte mich mit jedem Kilometer mehr.

Wir redeten über unsere Länder und unser Leben. Wie verschieden das alles war und doch konnten wir auch Gemeinsamkeiten entdecken. Marokko war ein geheimnisvolles Land mit geheimnisvollen Bewohnern. So viele Verbote - so viele Ausnahmen. Die Menschen  haben sich den Umständen angepasst. Kommen, sehen, erleben  sich entlassen auf das was das Land ausmacht. Ich spürte schon zu Anfang die Faszination dieses Landes, seiner Menschen, die in ihren Traditionen gefangen und gleichzeitig der modernen globalisierten Welt ausgesetzt waren, wie wir auch. Ein Spagat der erfinderisch machte.

Ich wusste, dass viele junge Menschen, das Land in Richtung Europa oder USA verlassen wollen.
Sie würden hier fehlen und es machte mir das Herz ein bisschen schwer. Zumal längst nicht alle, die ihr Glück in der Ferne suchten dort auch glücklich sein würden.

Obwohl die Landschaft in Richtung Süden, längs der Autobahn  nicht immer aufregend war, habe ich die Fahrt sehr genossen. Ich war gespannt auf Agadir.

Als wir dort ankamen, war es längst dunkel. Wir brauchten noch ein Hotel oder zwei, wie sich später herausstellen sollte, einen Parkplatz und vielleicht noch etwas zu essen. Aber der Reihe nach. Gegen 22.00 Uhr erreichten wir Agadir und ergatterten einen Parkplatz im Zentrum.Wie überall in Marokko gab es auch hier Männer, die auf parkende Auto aufpassten. Diese Männer waren im Grunde Parkplatzwächter, die mehr oder wenig selbständig arbeiteten. Sie sorgten dafür, dass das Auto beim Abholen noch da, oder unversehrt war. Vorausgesetzt man zahlte einen kleinen Obolus. Eine faire Sache und viel billiger als ein Parkplatz bei uns. Die Gebühren lagen im Centbereich. Gut investiertes Geld. Es hilft den Leuten sich selbst zu finanzieren und es hilft dem Fahrzeugbesitzer sein Auto heil wieder zu erlangen. Eine echte Win-win Situation.

Die Hotelsuche hatte mich dann doch etwas amüsiert. Das erste Hotel direkt neben unserem geparkten Auto, weigerte sich, uns 2 Zimmer zu geben. Es könne nur einer von uns hier wohnen, erklärte der Hotelbesitzer mit ernstem Gesicht und es hat viele Worte gedauert, das zu sagen. Die strengen Sittengesetze verlangten dies. Zunächst verstand ich das Problem nicht. Wir wollten 2 Zimmer!  In Marokko ist es so, dass 2 Leute die zusammen reisen und nicht verheiratet sind auch getrennt untergebracht sein müssen. Zumindest, wenn einer der beiden Marokkaner ist. Bei Missachtung drohten dem Hotel empfindliche Geldstrafen. Also auch wenn 2 Zimmer gebucht seien und die Leute  nachts gemeinsam in einem Zimmer erwischt würden, müsste das Hotel zahlen. Das brachte mich zum Lachen. Ich fühlte mich ein bisschen geehrt, was man mir noch alles zutraute. Ausgerechnet jetzt, da ich mich in einer Lebensphase befand, wo ich mich alt, hässlich und dick fühlte. Zudem bin ich für marokkanische Verhältnisse eine steinalte Frau.

Beim zweiten Hotel dann, hatten wir Glück. Es gab ein Nebengebäude und ein Frauenstockwerk. Ich nahm das Nebengebäude. Nein, war nur Spaß, aber ich hätte Simo das Frauenstockwerk wirklich gegönnt.
Als ich mein Zimmer mit Dusche im Frauenstockwerk sah, musste ich ein klein wenig schlucken. Es hatte ein Fenster zum Flur, eine Dusche aber keine Toilette.  Jedoch war das Bett sauber. Und ich wollte hier nur schlafen. Wer ein Abenteuer erleben will braucht keinen Luxus sondern Erlebnisse! Es gab weder Handtücher noch Toilettenpapier oder Seife. Die Toilette war etwas weiter entfernt aber noch auf dem Frauenflur und für das ganze Stockwerk!  Das war vielleicht doch Luxus...?

 


Gerade als ich nach dem Duschen ausgehfertig war, klopfte es an meiner Tür. Der nette Hotelier war da und rief mich nach unten. Hier waren Männer schließlich verboten! Simo wartete schon am Hoteleingang.  Wir wollten noch etwas essen. In Agadir waren abends um 23:00 Uhr noch mehr Menschen unterwegs, als bei uns am Samstag morgen. Wir liefen durch die Straßen und überall gab es noch warmes Essen, Gemüse, Obst und Allerlei zu kaufen. Die Luft roch nach Essen, Gewürzen, Meer und einer Art von Freiheit. Die Art von Freiheit die weit hinten in meinem Kopf wohnte und nur darauf gewartet hatte frei zu sein. Die Menschen redeten miteinander. Dazwischen spielten Kinder.  Die Autos hupten munter weiter und  der Verkehr schlief nicht
Wir entschieden uns für eine Art Schnellrestaurant. Man konnte draußen in einer Glasvitrine, Fleisch oder Fisch aussuchen. Das wurde dann gegrillt. Ich entschied mich mutig  für Fleischspieße aus Hackfleisch und Pommes. Dazu tranken wir Wasser. Meine Fingerfertigkeit hatte sich leicht verbessert und ich aß alles mit den Fingern. Herrlich! Es machte großen Spaß. Während meines Abenteuers wollte ich nicht an Keime oder Bakterien denken. Ich wollte wohnen wo Marokkaner wohnen, essen was Marokkaner essen, mich fühlen wie ein Marokkaner sich fühlt. Ich wollte das Land mit den Augen eines Marokkaners sehen und nicht durch die rosarote Touristenbrille.

Nach dem leckeren Essen fuhren wir noch auf den Hausberg von Agadir der 240 m über der Millionenstadt Agadir einen grandiosen Blick auf die Stadt und die Bucht bot. Ich war überwältigt!
Tausende Lichter der Stadt tanzten vor meinen Augen. Die Sterne strahlten von oben auf Agadir. Das Meer glitzerte im goldenen Farbenspiel.  Was für ein Anblick!  Ein paar Tränen liefen über mein Gesicht. Simo fragte:"Alles gut?" - "Ja, alles gut."  Mitten in meinem Abenteuer begriff ich was ich getan hatte. Alleine aufgebrochen in ein fremdes Land, fern der Heimat, mit nichts als Vertrauen im Gepäck und ich hatte alles richtig gemacht. In diesem Augenblick war ich mir ganz sicher. Leise aber sicher schlich Marokko sich endgültig in mein Herz.

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