Über mich

In meinem Blog möchte ich über meine Reisen berichten von ungewöhnlichen Erlebnissen, Begegnungen mit anderen Menschen hier und anderswo

Mein Abenteuer Marokko - die Ankunft

Mit viel Kribbeln im Bauch saß ich am 30.April am
Flughafen in Frankfurt. Mein Ziel Casablanca.

Die Maschine der Royal Air Maroc nach Casablanca
hatte eine Stunde Verspätung wg. schlechtem Wetter.
Auf meinem Handy die letzten Nachrichten von
Freunden, die ich nicht beantwortet habe, weil ich
niemandem gesagt hatte, dass ich nach Marokko reiste.

So weit der Plan.
Mir war klar, dass meine Reise auf Unverständnis
stoßen würde. Dem wollte ich mich nicht stellen, noch
nicht. Auch die sicherlich berechtigten Bedenken der
Freunde und Bekannten wollte ich nicht hören.
Ein wenig zweifelte auch ich und das reichte für mich.

Meine Aufregung war groß aber ich hatte keine Angst.
Als ich das Flugzeug bestieg war ich eine der wenigen
Alleinreisenden. Die meisten Mitreisenden sprachen,
arabisch oder französisch, vereinzelt englisch.
Die Maschine eine Boeing war sehr bequem - es gab
Sitze mit viel Beinfreiheit!!

Der Flug war unspektakulär und so landete ich in
Casablanca. Das Abenteuer begann...
Im Flughafen angekommen, erreichte ich nach kurzer
Zeit die Passkontrolle, an der schon
gefühlt tausend Menschen standen.

Die meisten Leute hatten einen kleinen Zettel in der
Hand, es sah aus als ob sie alle den gleichen Zettel
hatten. So beschloss ich mir das anzuschauen.
Nachdem ich meine Französisch-Vokabeln in meinem
Kopf ein bisschen sortiert hatte, gelang es mir 2
Franzosen nach dem Zettel zu fragen. Es war ein
Einreiseformular auf dem man seine Personalien
angeben musste, sowie die Adresse in Marokko,
wo man wohnen wollte.
Diesen Zettel erhält man normalerweise im Flugzeug -
allerdings war ich einmal kurz auf der Toilette!
Glücklicherweise hatte der nette Franzose ein
Formular für mich aber leider keinen Stift.
In der Halle waren gefühlt 30 ° Grad und ich
langsam aber sicher nass geschwitzt.

Mein Kugelschreiber war im Koffer und nach einer
Weile konnte ich auch noch einen Stift ausleihen.
Ich füllte also das Formular aus, Zeit war genug
aber jetzt fiel es mir Schuppen von den Augen.
Adresse in Marokko? Ich wusste sie nicht.
Nur Namen und Telefonnummer!!
Wie blöd kann man sein?
Ich beschloss zu telefonieren als die nächste
Überraschung auf mich wartete:
Mein Telefon wollte nicht. Eine französische Stimme
leierte eine mir nicht verständliche Ansage herunter.
Mir schwante Schlechtes.

Bis ich dann endlich mit einem Beamten sprechen
konnte verging noch gut eine Stunde und ich hoffte
dass mein Abholer Simo noch warten würde.
Ich konnte ihn ja  nicht über dieVerspätung
informieren. Der Beamte bemerkte als erstes
meine fehlende Adresse auf dem Formular.
Ich versuchte ihm in holprigem französisch zu erklären,
dass ich abgeholt werde und nur den Namen und die
Telefonnummer bei mir habe.

Im Geist hab ich mich hundert mal verflucht aber was
sollte ich machen.Ich sah mich schon wie Tom Hanks
in Terminal auf dem Flughafen wohnen...

Der Beamte schaute mich an, bemerkte wohl meine
beginnende Verzweiflung und fragte mit einem Lächeln
im Gesicht: "IBIS-Hotel?"
Mir fiel ein Stein vom Herzen und ich sagte:
"Oui, oui IBIS-Hotel"
Mit dem Stempel im Pass fand ich nun problemlos
meinen Koffer. Aber ich war mehr als 2 Stunden zu
spät! Würde Simo noch da sein?
Als ich aus dem Flughafen heraus trat in die Halle,
wo die Abholer stehen, ereilte mich der nächste
Schock. Auch hier standen unfassbar viele Menschen,
die jemanden abholen wollten.

Gut, ich könnte immer noch ein Taxi nehmen und
das nächste IBIS Hotel ansteuern. Leider hatte es
auch mit dem Devisen-Umtausch noch nicht geklappt
aber Schritt für Schritt.
Etwas verzweifelt sah ich mich um und stellte fest,
dass ich hier niemanden finden würde.

Ich lief langsam mit meinen Koffer und dem
Handgepäck mitten durch die Leute und fühlte
mich verloren, als mich plötzlich jemand am Ärmel
zupfte.  Ein Stein fiel mir vom Herzen.
Es war Simo und er hatte gewartet.
"Ich bin so froh dich zu sehen, du dachtest bestimmt
ich sei in Frankfurt nicht eingestiegen?
Weisst du zu allem Überfluss kann ich auch
mein Telefon nicht benutzen." Das waren meine ersten
Worte in Marokko. Ich war aufgeregt - ja!

"Herzlich Willkommen in Marokko!
Ich freue mich dass du das bist!" begrüßte mich Simo.
Wir mussten beide Lachen,
ja es war ein merkwürdiges Gefühl, sich plötzlich
gegenüber zu stehen.
Das kann man sich vorher vorstellen aber die
Wirklichkeit ist dann immer etwas anders.
Ich konnte es nicht fassen in Casablanca zu sein.
Bis ich das realisierte sollte noch dauern.

"Lass uns hier raus gehen, ich habe dir noch etwas
versprochen, das erste was du in Marokko machen
musst!"  Ich lachte, weil ich wusste was kommen sollte.
Wir gingen zum Auto und fuhren los -
Casablanca bei Nacht. Nach wenigen Minuten sah ich
das Ibis Hotel musste lachen  und erzählte Simo von der
ganzen Odysee. Er lachte und sagte:
"Ja, in Marokko gibt es viele Probleme aber auch
viele Lösungen".
Das sollte ich später noch oft erfahren....

Der Flughafen ist ungefähr 45 Minuten von Simo's
Zuhause entfernt, wo ich die erste Nacht schlafen durfte.
Die Mutter Rahma hatte für mich ein Tajin gekocht und
hatte schon angerufen wo wir bleiben!
Aber in Marokko ticken die Uhren anders. Zuerst kam
das Versprochene!
Das erste was ich also in Casablanca erleben sollte war
nämlich Avocadosaft! Für Simo unvorstellbar, dass das
jemand nicht kennt.
Wir fuhren zu einer kleinen Bar. Es gab keine
Parkplätze und so hielten wir in 2. Reihe. Simo rief den
Inhaber und bestellte 2 x Avocadosaft und die wurden
prompt ins Auto geliefert.

Ich überlegte noch kurz ob ich das trinken kann,
weil der Reiseführer den ich absichtlich Zuhause
gelassen hatte, mich mit der Aussage nur gekochte,
gegrillte oder geschälte Nahrungsmittel seien
verträglich für europäische Touristen, ein bisschen
erschreckt hatte.
Aber gut ich sollte es herausfinden!

Der Avocadosaft schmeckte köstlich. Ich hatte so etwas
noch nie getrunken. Der Saft war dickflüssig, leicht süß
und schmeckte irgendwie ein wenig nach Banane.
Also trank ich die kleine Portion, die ungefähr 0,3 l
umfasste und war danach so satt wie es nur geht.

Aber jetzt fuhren wir zu Simo's Familie. Da wartete
schließlich das Abendessen. Mittlerweile war es fast
Mitternacht. Ich war jetzt sehr gespannt die Familie
kennen zu lernen und auch aufgeregt und absolut
verschwitzt. Mein Deo hatte komplett versagt.

Wir fuhren durchs nächtliche Casablanca wo der
Verkehr immer fließt. Bettler am Straßenrand darauf
warten, dass die Ampeln rot werden und die Autos
anhalten und etwas zu ergattern, zu überleben.
Der Verkehr staute, die Leute hupten, es war ein arges
Gewimmel um diese späte Zeit und ich fragte mich
wie es am Tag sein würde. Ich sollte es am nächsten
Tag erfahren!

Unterwegs fuhren wir an vielen Hotels vorbei,
IBIS gab es gleich mehrmals, Sheraton, Hyatt,
Best Western.... das war vertraut. Außerdem gab es
große Leuchtreklamen für Samsung, Sony, Coca-Cola.
Die beliebten Fast Food Ketten vom goldenen M bis KFC.
Die Globalisierung war auch in Marokko angekommen

Die Zeit verging schnell, die Fahrt war aufregend und eh
ich es glauben konnte, waren wir bei der Familie
angekommen. Mit Koffer und Rucksack machten wir
uns auf in den 3. Stock. Ich hatte mir noch überlegt wie
"Guten Abend" auf marokkanisch heisst und oben vor
Aufregung schon wieder vergessen.

Hand geben, umarmen? Es gab so viele Regeln.
Ich zog die Schuhe aus, ehe ich die Wohnung betrat und
lies den  Koffer erst einmal im Flur.

Ich begrüßte Rahma mit " Massah alkajr"  und gab ihr
die Hand, die ich danach auf mein Herz legte.
Den Vater Fadel begrüßte ich ebenso und sie fingen an
mit mir zu sprechen und ich verstand nichts.
Simo musste übersetzen aber manchmal gingen Zeichen
und Lächeln genau so gut.
Sie waren so freundlich zu mir, dass ich mich nach
kurzer Zeit komplett wohl fühlte und erst einmal fragte
ob ich duschen dürfe.
Nach der Dusche hatte ich zwar immer noch keinen
Hunger aber auf dem Tisch stand jede Menge Essen
und ich fühlte mich wieder wohl.

Wie sollte ich nun das Essen schaffen? Als Vorspeise
gab es Gurkensalat und dazu eine Karaffe mit Wasser.
Ich fragte Simo ob ich das Wasser trinken könne,
als europäisches Weichei? "Ja, du kannst, es ist gut."
Ich verdrängte meine Bedenken und langsam kam ich
in Marokko an.

So kam es dass ich an diesem ersten Abend alle meine
Vorsätze über Bord warf, das Leitungswasser trank
und den köstlichen Salat aß.
Da war ich dann schon satt und dann kam das Tajin mit
Fleisch, Gemüse, Kartolffeln und Brot. Es gab hier kein
Besteck. Das Tajin ist ein Tontopf und der kam in die
Mitte des runden Tischs.  Jeder nahm ein kleines
Stückchen Brot und damit holte man das Essen aus dem
Topf, mit etwas Geschick könnte das Brot wie ein
kleiner Löffel zu benutzen sein, dachte ich. Aber
davon war ich noch weit weg.

Das Essen war köstlich aber ich war satt und ich aß
langsam aber viel aber für Rahma nicht genug.

Sie untersützte mich in dem sie mir das
Hähnchenfleisch vom Knochen löste und vor die
Finger  hinlegte. Ich  fand das sehr lieb aber ich war
irgendwann einfach total abgefüllt.

Immerhin hab ich nicht vergessen, dass das essen
mit der linken Hand tabu ist. Sie gilt als unrein.
Ich habe an diesem Abend schon viel über
marokkanische Esskultur gelernt aber
ich hatte noch mehr Lücken!

Nach dem Essen haben wir noch mit der Familie gesprochen. Sie fragten nach meinen Kindern, meinem Mann und wollten alles genau wissen. Sehr offen. Es war erfrischend. Das marokkanische Fernsehen lief die ganz Zeit im Hintergrund und ab und zu konnte ich sogar etwas verstehen.

Die Wohnung hatte 3 Zimmer und ich durfte Simo's Zimmer bekommen. Er musste auf dem Sofa schlafen.
Ein marokkanisches Sofa ist riesig. Eine große Familie mit 10 Leuten kann bequem darauf sitzen. Es stand  in U-Form und es war sehr bequem. Die Wohnung strahlte in bunten Farben und es  passte wunderbar in dieses schöne Land

Gegen 2.00 Uhr in der Nacht ging ich schlafen und als ich aus dem Fenster schaute, liefen unten gemütlich 2  Ratten vorbei.
Müde wie ich war machte ich mir keine Gedanken darüber und schlief schnell ein und mein Schlaf war tief und fest.















Kommentare:

  1. Doris, I can not even imagine what emotions you experienced! I really like to read about your travels

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  2. I want photos of your travels! I think they perfectly complement your stories

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